Meine Schmuckstücke: Biotoecus

  • Moin,


    lang ist´s her, dass ich hier wirklich mal aktiv war. Das liegt vermutlich vor allem daran, dass ich wenig Zeit und Lust für die Aquaristik hatte. Nachdem mein 960 Liter Becken undicht wurde und ich meine Uaru verkaufen musste, hatte ich erstmal wenig Lust auf Aquaristik. Zudem hatte ich wenig Zeit für meinen Keller, weil ich schulisch gerade den Endspurt einlege. Nach den Sommerferien wird das hoffentlich wieder etwas lockerer. So kam es, dass ich erstmal nur noch ein kleines Becken in meinem Zimmer hatte mit Xiphophorus montezumae und Hyphessobrycon luetkenii.


    Letztes Jahr im Dezember hatte ich dann aber wieder richtig Lust auf Cichliden. Großcichliden kamen nicht in Frage, wegen Zeit- und Platzmangel.
    Ich hatte zuvor in meinem Zimmer noch ein weiteres Becken aufgebaut, welches die Maßen 100x40x40 cm hat und somit auf 160 Liter Fassungsvermögen kommt. So ging es ab zu Thomas Tillmann, um zu gucken was er da hat. Ich hatte vorher schon ein paar Favoriten. Biotoecus, Dicrossus, Laetacara, Microgeophagus und Biotodoma. Allerdings wusste ich nicht so genau was Thomas so alles da hat.
    Bei ihm angekommen machte ich mich dann auch direkt auf die Suche und tatsächlich fand ich fünf kleine Biotoecus bei ihm.



    Die fünf zeigten wenig Farbe. Die Art war also nicht eindeutig erkennbar.
    Thomas sagte mir, dass er sie seit zwei bis drei Monaten hat und sie in ganz normalem duisburger Leitungswasser hält. Es sind drei Männchen und zwei Weibchen. Ein Tier kostete 20 Euro. Da ich eigentlich nur zwei Paare haben wollte und ein Männchen relativ schwach aussah, gab Thomas mir ein Männchen umsonst mit.




    Zuhause angekommen gewöhnten sie sich dann erstmal ein und zogen als lockere Truppe durch das Becken.


  • Nach ein paar Tagen übernahm dann eines der Männchen die Herrschaft über das Becken. Hier mal ein Bild des Alphamännchens:




    Er besetzte ein ziemlich großes Revier, welches er gegen die restlichen Männchen verteidigte. Die anderen zwei Männchen mussten daher in der linke Ecke des Beckens im Unterholz verweilen.
    Ein Weibchen hatte er aber gerne in seiner Nähe und fing später auch an mit diesem zu balzen.



  • Dieses Pärchen balzte nicht nur, sondern laichte scheinbar auch ab. Ein umgedrehter Tontopf, der im Boden eine kleine Öffnung hat, wurde als Laichhöhle genutzt. Allerdings wurde aus den Eiern scheinbar nichts. Irgendwann betrieb das Weibchen keine Brutpflege mehr. Allerdings verteidigten beide weiterhin ihr Revier.
    Ich machte einen Wasserwechsel und strukturierte das Becken ein wenig um, damit mehr Sichtbarrieren und Rückzugsmöglichkeiten entstehen. Das Alphamännchen zog sich nach der Umräumaktion zurück. Das Weibchen versuchte noch ein paar mal mit ihm zu balzen, aber das Männchen sprang nicht darauf an.




    Am 23.12.2016 kam es dann zur Stürmung des Regimes. Eines der beiden anderen Männchen, das kräftigste, nutzte die Abwesenheit des Alphamännchens und setzte es ab. Das neue Alphamännchen war größer und schnappte dem vorherigen Männchen das Weibchen weg.





  • Das Balzverhalten der beiden ähnelte dem vorherigen Balzverhalten mit dem alten Alphamännchen.




    Das Männchen spreizte die Kiemendeckel und das Maul und stellte seine Flossen auf. In dieser Haltung umkreiste das Männchen das Weibchen, um ihm zu imponieren. Das Weibchen streckte den Schwanzstiel dabei oft in die Höhe. Vermutlich wollte es damit signalisieren, dass es bereit ist zu laichen. Durch dieses Schwanzstiel-Strecken des Weibchens wurde außerdem der rote Bauch etwas besser betont und sah runder aus. Gebalzt haben die beiden relativ viel. Das ganze dauerte etwa ein bis zwei Tage.






  • Nach dem Balzen wurde dann eine Höhle ausgesucht. Meine mögen den umgedrehten Tontopf wohl sehr gerne. Dieser befindet sich in der rechten Ecke des Beckens, wo es etwas dunkler ist und die Monstera wurzelt. Vielleicht präferieren sie die Höhle auch nur wegen der Lage.
    Das Männchen holte Sand aus der Höhle raus und häufte ihn außen an. Der Tontopf wurde von außen leicht mit Sand bedeckt, damit er etwas besser getarnt ist schätze ich. Abwechselnd schwammen dann Männchen und Weibchen in die Höhle hinein. Biotoecus Arten laichen an den Decken von Höhlen. Somit konnte ich leider nichts sehen und stören wollte ich sie auch nicht.
    Auch sehr interessant ist das "Zittern". Männchen und Weibchen zittern mit dem Körper über den Boden und schlagen dadurch kleine Furchen in den Boden. Wozu diese nützlich sind, weiß ich nicht. Ähnlich wie die Gattung Gymnogeophagus buddeln die kleinen Biotoecus Kuhlen in den Sandboden, wo später die Jungfische/Larven gehältert werden. Diese Kuhlen werden immer wieder gewechselt. Entweder wechseln sie die Kuhlen, damit Fressfeinde irritiert werden, oder vielleicht liegt es auch an der Schadstoffansammlung.
    Auch beim zweiten mal war das ganze aber erfolglos.














    Vor ein paar Tagen habe ich ein video gedreht. Bitte schaut es euch in HD an. Durch das Komprimieren hat die Qualität nämlich leider etwas nachgelassen.


    https://www.youtube.com/watch?v=OCI3wHg1o0A




    Auch in diesem Video sieht man bei 1:20 wie das Männchen vor der Kokosnuss über den Boden zittert.

  • Moin,


    freut mich, dass euch mein kleiner Bericht gefällt!


    Gefiltert wird das Becken mit einem Eheim professionell. Die Filterung ist etwas überdimensioniert, aber dafür kann ich die Wasserwechsel etwas kleiner ausfallen lassen.


    Füttern tue ich mit Frostfutter. Artemia und rote Mückenlarven werden am liebsten gefressen. Alle zwei Tage bekommen sie etwas zu fressen. In einem DCG Magazin schrieb jemand, dass ihm seine Tiere eingingen, weil er sie zu viel fütterte. Diesen Fehler möchte ich nicht machen. Von dem Futter bleibt auch immer etwas liegen, aber das fressen sie später, wenn sie den Boden durchwühlen.
    Anfangs nahmen sie das Futter nicht so an. Sie pickten nur ein bisschen, aber fraßen nicht. Vermutlich waren sie etwas mehr auf Lebendfutter fixiert, da es Wildfänge sind.
    Der mickrige Kerl frisst zwar auch immer mit, aber er ist immer noch schwächer und kleiner als die anderen. Ich hoffe, dass er sich noch fängt.




    Ich halte die Tiere bei 26 Grad Celsius und normalem Leitungswasser. pH< 7 ; KH< 14 ; GH< 20
    Sie machen sich bei diesen Werten ganz gut. Ich weiß nur nicht, ob sie bei einem etwas saurerem und weicherem Wasser bessere Farben zeigen würden.


    Momentan herrscht Ruhe im Paradies. Das Pärchen verteidigt sein Revier nicht mehr. Das Sozialverhalten dieser Tiere finde ich recht spannend. Nach dem Motto "Pack schlägt sich, Pack verträgt sich" wechselt die Stimmung im Grüppchen immer wieder. Manchmal stehen sie alleine irgendwo, aber es kommt auch vor, dass sie die Nähe als Gruppe suchen.
    Einzig und allein das Pärchen steht immer beisammen.


    Ich dachte schon mal daran die anderen drei in ein anderes Becken zu setzen. Dort hätten sie mehr Ruhe und es könnte sich ein weiteres Pärchen bilden, welches dann sein eigenes Revier besitzt. Im Moment plane ich ein Paludarium mit einem Wasserteil von 75x30x35 cm. Vielleicht setze ich anstatt Dicrossus dort die anderen Biotoecus ein. Mal sehen.


    Beifische hätte ich eigentlich nur ungern mit im Becken. Damit könnte ich die Aggressionen vielleicht etwas besser verteilen, aber dadurch, dass die Biotoecus nicht so gierige Fresser sind, lasse ich das besser mal bleiben.


    Demnächst wollte ich mal Buchenzweige sammeln gehen (ohne Blätter). Damit würde ich dann den Boden noch etwas mehr strukturieren. Das knifflige bei diesen Fischen ist ihnen genügend Sandfläche zu bieten, aber gleichzeitig auch für Revierabgrenzungen zu sorgen. Ich habe relativ viele große Moorkienwurzeln und zwei große Tonröhren, in denen zwei Efeututen wachsen.
    So ganz zufrieden bin ich da noch nicht. Eine größere Grundfläche, die genügend Sichtbarrieren aufweist, wäre gut. Dann könnte ich bestimmt auch zwei Paare darin pflegen. Aber derzeit möchte ich sie nicht weiter stören. Gedanken um eine alternative Beckeneinrichtung mache ich mir aber schon seit einiger Zeit.

  • Ob die Nachzucht klappt, in dem harten Wasser? Hm.


    Meine Dicrossus leben in PH 6,8, Gh 5, Kh 4, und trotzdem ist aus den Gelegen nie was geworden, bisher (habe sie seit April 2016). Gelaicht haben sie schon des Öfteren. Nach meiner Info brauchen die richtig saures Wasser, damit das funktioniert.


    Ich drücke die Daumen, berichte mal weiter, bitte, das interessiert mich sehr! :-)

  • Moin Ronda,


    ich muss mal schauen, ob das bei den Biotoecus klappt. Zur Not kann ich mit verschiedenen Säuren arbeiten, um den pH Wert zu senken. An der Wasserhärte kann ich ohne Osmoseanlage nur sehr wenig machen.


    Das Becken, welches ich für die Dicrossus plane hat lediglich ein Fassungsvermögen von 90 Litern. Da kann man auch noch mit destilliertem Wasser arbeiten. Geschickte Altewasseraquaristik kann darüber hinaus auch noch Wasser einsparen. Aber das ist ein anderes Projekt wo ich erst noch dran arbeite. Wenn da mal was von steht, dann berichte auch gerne darüber.


    Wenn ich dann mal für Dicrossus ein kleines Schwarzwasserbiotop eingerichtet habe, könnte ich dort auch Biotoecus einsetzen. Sozusagen als "Kontrollgruppe". Dann habe ich Vergleichswerte und kann schauen bei welchen Parametern sie sich besser machen.

  • Hallo Marc,


    ich hab die Tiere früher bei einem PH Wert von leicht über 6 gezogen. Extreme Werte haben die bei mir nie gebraucht, hatte sogar eher den Eindruck das sie es nicht mochten wenn ich zu weit mit dem PH Wert runtergegangen bin. Ich pflege die Art zwar nicht mehr aber sie gehört bis heute zu meinen Lieblingsfischen. Auf meiner Seite in der Signatur findest du einige Bilder von mir in der Gallerie (vorletzte Seite in der Gallerie), außerdem hat ein Bekannter von früher eine schönen Bericht geschrieben, den findest du ebenfalls HIER. Ich hatte 2011 mal einen Threat hier im Forum zu den Fischen aufgemacht, leider sind die Fotos nicht mehr verlinkt, evtl. steht da noch irgendwas interessantes für dich drin.

  • Moin,


    hier kam ja schon länger nichts Neues mehr, aber mittlerweile kann ich wieder ein wenig berichten.


    Von den fünf Biotoecus sind noch drei übrig. Das kleinste Männchen verstarb, weil es kaum Nahrung zu sich nahm. Die Anderen haben es immer wieder weg gedrängt. Das größte Männchen starb ziemlich unerwartet. Woran das lag weiß ich nicht, ich konnte Nichts erkennen.


    Die drei verbliebenen Biotoecus (ein Männchen, zwei Weibchen) habe ich in ein kleineres Becken umgesetzt, nämlich in das 75x30x35 cm Becken. Dort kann ich die drei kleinen Buntbarsche einfach besser beobachten und auch die Pflegearbeiten sind schneller durchgeführt.


    Das Becken habe ich ein wenig anders strukturiert. In das Wasser lasse ich eine meiner großen Monstera wurzeln, dadurch hat sich ein dichter Wurzel-Mopp entwickelt. Ein großer Moorkienast, viele kleine Moorkienwurzel-Stücke und Korkenzieherweide-Zweige bieten Schutz und Unterschlupf.


    Drei halbierte Tontöpfe habe ich als Laichhöhlen eingebaut, aber momentan scheinen sie daran nicht interessiert zu sein. Das Männchen jagt beide Weibchen. An dem etwas größeren Weibchen, mit dem er auch schon mal gelaicht hatte, scheint er Interesse zu haben. Doch das Weibchen hat scheinbar kein Interesse, jedenfalls balzt es nicht.


    Woran das liegt weiß ich nicht, ich habe verschiedene Theorien;


    -Licht - Die Höhle im alten becken lag in einem dunkleren Teil des Aquariums und wurde nur schwach beleuchtet.


    -Konkurrenz - Vorher konnten sich die Männchen gegenseitig rivalisieren und somit auch das Weibchen beeindrucken, vielleicht geht das jetzt nicht mehr.


    -Temperatur, pH, oder andere Parameter haben sich geändert. Eventuell werden sie von Schwankungen angeregt?



    Auch mit Torfwasser habe ich experimentiert, allerdings hat das nicht so gut funktioniert. Obwohl ich den Torf mit Damenstrümpfen filtriere, ist das Wasser voll von kleinen Partikeln. Dadurch wird das Wasser zwar stark verfärbt, aber der Effekt lässt schnell nach und die Torf-Partikel setzen sich als dunkler Teppich auf dem Bodengrund ab.
    Das Abkochen von Laub und Erlenzäpfchen erscheint mir da sinnvoller, weil die Färbung länger anhält, aber dafür ist die Wirkung nicht so stark.


    Vielleicht wäre es eine Möglichkeit die Biotoecus mit einer anderen Zwergbuntbarsch Art zu vergesellschaften, um die Tiere zum Laichen zu animieren. Die Vergesellschaftung mit Dicrossus soll wohl machbar sein, aber die brauchen ja eher saures, weiches Wasser. Das brauchen Die Biotoecus laut Erfahrungsberichten wie dem von Kosta ja eher weniger. Zudem weiß ich nicht, ob die Dicrossus nicht vielleicht etwas zu sanft sind.


    Mal schauen, bald habe ich hoffentlich mehr Zeit und mehr Platz, dann lässt sich eventuell was größeres auf die Beine stellen.

  • Hallo, Marc ! Bestimmt ein sehr interessanter Fisch... Danke für deinen spannenden Bericht und die tollen Bilder ! Noch viel Freude mit
    deinen Winzlingen, eine gute Woche- Claus :thumbup:

    Ein mongolisches Sprichwort: Berge können sich nicht miteinander unterhalten, aber MENSCHEN ! ;)[bestand]1869[/bestand]