Heroina Isonycterina

  • Hallo zusammen,
    ich wollte einmal von unseren Erfahrungen mit Heroina isonycterina berichten. Diesen sehr interessanten südamerikanischen Buntbarsch sieht man ja nicht allzu oft und die Gattung umfasst derzeit wohl auch nur diese eine Art, ist also monotypisch. Der Name kam wohl von der optischen Ähnlichkeit zu Heros, tatsächlich hat Heroina mit diesem aber nicht viel gemein.


    Am ehesten Verwandt sollen diese Barsche noch mit verschiedenen Räusenmäulern sein. Eine gewisse Ähnlichkeit mit beispielweise Caquetaia lässt sich auch nicht gänzlich leugnen. Heroinas sind sicherlich eher zurückhaltende Buntbarsche und keine Raufbolde, doch auch recht robust. Wenn sie allerdings einmal zubeißen, dann tun sie das äußerst kräftig. So biss unser Heroina-Männchen einem nur kurzzeitig bei den sonst sehr ruhigen Heroina "geparktem" halbwüchsigen Satanoperca zielsicher und ohne Vorwarnung oder vorhergegangene Agressionen das Auge aus, wodurch dieser einging. Eine unangenehme Eigenschaft, die auch von Caquetaia-Arten (laut Literatur) bekannt ist, die ebenfalls - wenn sie einmal aggressiv werden - zielsicher auf die Augen des Gegners gehen. Im Fall unserer Heroina, waren hier jedoch sicherlich die zum damaligen Zeitpunkt zu beengten Platzverhältnisse - und damit wir selbst - daran schuld.


    Aber zurück zum Thema:
    Vergangenen Herbst erwarben wir eine 4er Gruppe Heroina isonycterina bei einem hier im Forum nicht ganz unbekannten Händler aus der Nähe von Butzbach :) 
    Die Barsche waren recht dunkel und bräunlich gefärbt und noch halbwüchsig. Geschlechter ließen sich zu diesem Zeitpunkt nicht sicher erkennen. Aus Gründen der momentanen Wohnsituation und mehreren Umzügen mussten sich die Tiere erst einmal mit einem normalen 80cm Becken begnügen. Befürchtete Streitereien auf Grund der Enge blieben aus und es wurde auch nie ein Tier unterdrückt oder gejagt. Die Heroinas stellten sich als gewaltige Fresser heraus. So wuchsen die Tiere auch zügig. Verwunderlich war wie scheu und zurückgezogen diese Buntbarsche waren. Selbst in dem spärlich mit ein paar Steinplatten, 2 Wurzeln und einer Pflanze eingerichteten 80cm Becken musste man die inzwischen teils 13cm großen Tiere suchen. Auf den ersten Blick schien das Aquarium meist leer.


    Vor ein paar Wochen war es dann endlich soweit: die Heroinas konnten endlich in ein neues Becken umziehen. Ihre neue Heimat hat eine Grundfläche von 150x50cm und diese bezogen Sie zusammen mit 4 L309 und 4 Brachyrhamdia messi. Sofort nach dem Einzug erkundigten sie neugierig ihr neues Refugium und waren deutlich aktiver als vorher und schienen auch die Rangfolge neu zu klären. Dies ging komplett mir verschiedenen Drohgebärden und ohne Rauferei ab. Dabei werden die sonst dunklen Augen kräftig rot. Der dunkle Seitenfleck kann dabei auch mal in Negativfärbung hell werden.
    Das einzig klar erkennbare Männchen sonderte sich sehr bald mit einem Weibchen ab und besetzten eine Seite des Aquariums. Dann wurde es zwischenzeitlich wieder ruhiger im Aquarium und die Tiere zogen sich gerne wieder unter Unterstände zurück. (Dabei werden nicht einmal viel zu flache Schieferunterstände ausgelassen. Dann legt man sich halt flach auf die Seite herein.) Vorletzte Woche war es mit der Ruhe dann doch vorbei. Das Pärchen das sich abgesondert hatte, balzte. Dabei nahmen die Tiere eine sehr dunkle Färbung an und waren auch deutlich
    grün. Insbesondere das Weibchen zeigt diese Grünfärbung noch stärker.
    Bei bereits ausgeschalteter Aquarienbeleuchtung erfolgte die Eiablage an einer schrägen Morkienenholz-Wurzel. Es waren locker 200 Eier. Auffällig war, dass kaum Verpilzungen oder unbefruchtete Eier auftraten, so dass so gut wie alle Eier erbrütet wurden. Gut 3 Tage Später entdeckte meine Freundin die Jungfische in einer Eiswaffel-förmigen Tonröhre auf der anderen Seite des Aquariums. Die Eltern haben die Larven wohl nach dem Schlupf im Maul dorthin gebracht. Auffällig dabei ist, dass immer nur 2-6 kleine ins Maul genommen werden, wie wir später beobachten konnten.


    Nach weiteren 6 Tagen schwammen die Jungfische in der Höhle frei und weideten an der Höhlenwand. Der Dottersack war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vorhanden. Die Eltern hoben in der Zeit um die Höhle herum eine 30cm große Kuhle im Sand aus und verteidigten gegen alles, was sich bewegte. Dabei blieb das Weibchen eher näher bei der Röhre, das Männchen übernahm die Fernabwehr. So besetzte das Paar etwa 2/3 des 150cm Beckens. Am darauf folgenden Tag wurden die Kleinen von den Eltern aus der Höhle geholt und in die Kuhle gebracht und schwammen frei. Zu neugierige Junge die vom Nest wegschwammen oder abgetrieben wurden, wurden von den Eltern wieder eingesammelt und zurück gebracht. Auch beim hantieren im Becken (die Filteransaugung wurde vorsorglich verlegt) griffen die Tiere die Hand an und man musste schauen, nicht gebissen zu werden. Die anderen beiden Tiere zeigen langsam auch eine deutlichere Färbung und wir vermuten ein 2 Paar.
    Die Verteidigung der Elterntiere scheint bisher sehr effektiv zu sein, denn mit den Brachyrhamdia messi sind ja auch Räuber im Becken.
    Dies war sogar der Fall, als die Heroinas begannen mit den Jungfischen durch das Becken zu ziehen. Das ganze ist ein ganz schöner Aufstand bei der Agrressivität der Tiere. Auffälig ist, dass die anderen Beiden adulten Heroinas sich nicht für die Junfische interessieren, obwohl teilweise einzelne Jungtiere recht dicht heran kamen. Wir beobachten das ganze weiter, zu Not müssen wir die Brachyrhamdia messi aus dem Becken nehmen, da diese inzwischen ganz schön gejagt werden. Die anderen beiden Tiere zeigen langsam auch eine deutlichere Färbung und wir vermuten ein 2. Paar.

    Noch die Wasserwerte während der ganzen Aktion:
    Temperatur: 27°
    PH: 6,8
    KH: 4
    GH: 6
    Nitrat: 15 mg/l
    Anbei noch ein paar Fotos des ganzen Spektakels.
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    Nach 10 Tagen:
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    Nach 14 Tagen:
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  • Hallo zusammen,


    dann halte ich euch wie gewünscht mal auf dem laufenden :-).


    Die aggressive Brutpflege des Paares führte letztlich nun dazu, dass wir die Brachyrhamdia meesi und auch die beiden anderen adulten Heroina in ein anderes
    Becken gesetzt haben. Inwischen hat sich gezeigt, dass es sich auch tatsächlich um ein zweites Paar handelt.


    Die Jungfische sind in dem großen, fast leeren ;-/ Becken, sehr schnell gewachsen. Mittlerweile sind die meisten schon 1,5-2cm groß. Erstaunlicherweise betreiben die Eltern immer noch
    Brutpflege und kommen zur Verteidigung an die Aquarienscheibe geschwommen, wenn man dem Nachwuchs zu nahe kommt :-).


    Das andere Pärchen ist seit heute auch intensiv dabei eine Wurzel zu putzen und ich gehe davon aus, dass es bis zum nächsten Nachwuchs nicht lange dauern wird.
    Leider kann ich die beiden Pärchen in diesem Becken wohl nicht mehr zusammen vergesellschaften, weil die starke Brutpflege auf diesem Raum keinen Platz für 2 Pärchen erlaubt .
    Deshalb würde ich die Tiere gerne abgeben. Bei Interesse also gerne bei mir melden!


    Habe noch ein paar Fotos angehängt. Das ist nun 9 Wochen nach der Eiablage.


    Gruß
    Pippa